Unfallhilfe und Bergen bei Fahrzeugen mit Hochvoltsystemen FAQ

Unfallhilfe und Bergen bei Fahrzeugen mit Hochvoltsystemen FAQ

Unfallhilfe und Bergen bei Fahrzeugen mit Hochvoltsystemen FAQ

Definitionen und Begriffe

Battery Electric Vehicle (BEV)

Beim BEV handelt es sich um ein Fahrzeug mit Elektroantrieb und einer Energieversorgung ausschließlich aus einem Hochvolt-Energiespeicher.

Bergen

Bergen beschreibt im Sinne dieses Dokuments die Sicherstellung von Fahrzeugen/Teilen aus einem Gefahrenbereich.

Durch Unfall beschädigter/separierter Hochvolt-Energiespeicher

Im Falle eines sehr schweren Unfalls oder durch eine direkte mechanische Beaufschlagung des HV-Energiespeichers, kann es zu einer Beschädigung des Energiespeichers oder im Extremfall zu dessen Zerteilung oder Lösung vom Fahrzeug kommen. Eine Beschädigung des Hochvolt-Energiespeichers (mit einer akuten Gefährdung) kann anhand folgender Kriterien erkannt werden:

  • Erwärmung des Energiespeichers
  • Rauchentwicklung, Geräusche, Funken
  • äußere Deformationen der Einhausung

Elektrisch isolierend

Elektrisch isolierend sind nicht leitende Materialien. Diese verhindern den Durchgang elektrischen Stroms, wenn man mit diesen in Berührung an unter Spannung stehenden Leitungen/Komponenten kommt.

Galvanische Trennung

Bei einer galvanischen Trennung gibt es keine elektrisch leitende Verbindung zwischen zwei Stromkreisen.

Das Hochvolt-System ist elektrisch vollständig von der Fahrzeugkarosserie isoliert.

Hochvolt-System

Das Hochvolt-System in einem Fahrzeug besteht aus mehreren Hochvolt- Komponenten inkl. dem Hochvolt-Energiespeicher und Hochvolt-Leitungen.

Hochvolt (gemäß UN Regelung 100)

„Hochvolt“ ist die Spannung, für die ein elektrisches Bauteil oder ein Stromkreis ausgelegt ist, dessen Effektivwert der Betriebsspannung > 60 V und ≤ 1500 V (Gleichstrom) oder > 30 V und ≤ 1000 V (Wechselstrom) ist.

Hochvolt-Energiespeicher (HV-Batterie, UltraCaps …)

Der Hochvolt-Energiespeicher ist ein wieder aufladbares Energiespeichersystem, das für den elektrischen Antrieb elektrische Energie bereitstellt.

Hybrid Electric Vehicle (HEV)

Beim HEV handelt es sich um ein Fahrzeug mit Elektroantrieb und Verbrennungsmotor. Der Hochvolt-Energiespeicher wird über den Verbrennungsmotor geladen werden.

Plug-In Hybrid Electric Vehicle (PHEV)

Beim PHEV handelt es sich um ein Fahrzeug mit Elektroantrieb und Verbrennungsmotor. Der Hochvolt-Energiespeicher kann sowohl über einen Verbrennungsmotor als auch über einen entsprechenden Ladeanschluss mit Ladekabel (Plug-In) geladen werden.

Retten

Retten bedeutet das Abwenden eines lebensbedrohlichen Zustandes durch lebensrettende Maßnahmen und/oder durch Befreien aus einer lebensbedrohlichen oder gesundheitsgefährdenden Zwangslage (DIN 13050:2015-04).

Schwerer Unfall

Ein schwerer Verkehrsunfall im Sinne dieses Leitfadens ist durch das Beschädigungsausmaß am betreffenden Fahrzeug definiert. Ein Unfall ist als schwer einzustufen, sofern eine deutliche Deformation der Fahrzeugstruktur erkennbar ist, die über die äußere Beschädigung von Blech-, Karosserie oder Anbauteilen hinausgeht. In der Regel gehen schwere Unfälle mit einer Airbagauslösung einher.

Es ist zu beachten, dass nur Komponenten gezündet werden, die in der jeweiligen Kraftrichtung des Anpralls wirken können (Frontairbags bei Frontalaufprall, Seitenairbags bei Seitenaufprall) und sofern sie im Fahrzeug ausgestattet waren. Im Falle eines reinen Heckaufpralls kann ein schwerer Unfall vorliegen, ohne dass hier Airbag-Komponenten gezündet werden.

Trennstelle

Dies ist eine Abschaltvorrichtung für das Hochvolt-System, die von Rettungskräften verwendet werden kann. Diese sind in der Rettungskarte und ggf. im Rettungsleitfaden des Herstellers beschrieben. Es gibt verschiedene Ausführungen von Trennstellen (gemäß ISO 17840).

Eine Variante unterbricht die 12V/24V Steuerspannung des Hochvolt-Systems und erzwingt so die Deaktivierung, hierzu zählen:

–        12V/24V – Sicherung entfernen (low voltage fuse)

–        12V/24V – Steuerleitung durchtrennen(cable cut)

–        12V/24V – Trennstelle betätigen (low voltage service disconnect)

 

Die andere Variante unterbricht direkt das Hochvolt-System, da sich die Trennstelle als Reihenschaltung zum Hochvolt-Energiespeicher befindet.

–        Hochvolt-Trennstelle betätigen (high voltage service disconnect).

Diese Trennstelle ist in der Regel orangefarben. Persönliche Schutzausrüstung wird benötigt.

Erkundung/ Fahrzeugidentifizierung

Wie kann man erkennen, dass es sich um ein Fahrzeug mit Hochvolt-System handelt?

  • Mittels Fahrzeugkennzeichenabfrage durch die Rettungsleitstellen oder durch die Feuerwehren ist in einigen Ländern Europas die eindeutige Zuordnung zur betreffenden Rettungskarte möglich.
  • Die Typbezeichnungen am Fahrzeugheck wie B. Hybrid, Electric Drive oder zusätzliche Beschriftungen, z. B. am Kotflügel weisen eventuell darauf hin.
  • Verfügt das Fahrzeug über keine derartige Typbezeichnung, können folgende Merkmale auf ein Fahrzeug mit Hochvolt-System hinweisen:
    • Keine Abgasanlage bei rein batterieelektrisch betriebenen Fahrzeugen
    • Vorhandensein eines „E“ am Ende der Buchstaben-Nummern- Kombination eines deutschen Kennzeichens1
    • Elektrischer Ladeanschluss (eventuell als 2. Außenklappe ausgeführt)
    • Herstellerspezifische Designelemente
    • Orangefarbene Hochvoltleitungen (Hinweis: Hochvoltleitungen im Innern von Hochvolt-Energiespeichern können auch andere Farben haben als )
  • Warnaufkleber an elektrischen Hochvolt-Komponenten
  • Ladekabel oder vergleichbare Ausrüstungsgegenstände im Fahrzeug vorhanden
  • Ladeanzeige im Kombiinstrument und/oder Statusanzeige zum Betriebszustand des Fahrzeugs (z.B. „Ready“)
  • Kennzeichnungen und/oder Leuchtanzeigen auf der Instrumententafel

Das Fehlen dieser Merkmale ist jedoch kein eindeutiges Indiz dafür, dass es sich um ein Fahrzeug ohne ein Hochvolt-System handelt.

Gefährdung durch elektrischen Schlag

Besteht nach einem Unfall beim Berühren des Fahrzeuges oder von Fahrzeugteilen die Gefahr eines elektrischen Schlages?

  • Eine Personengefährdung durch einen elektrischen Schlag ist grundsätzlich nicht gegeben
  • Die Fahrzeuge sind mit mehreren, verschiedenartigen Schutzmechanismen
    • Das Hochvolt-System ist berührgeschützt ausgeführt.
    • Das Hochvolt-System ist elektrisch vollständig von der Fahrzeugkarosserie isoliert (galvanische/elektrische Trennung).
    • Bei schweren Unfällen mit Airbag-Auslösung wird das Hochvolt-System bei den meisten Fahrzeugen abgeschaltet
  • Sind jedoch bei sehr schweren Unfällen Hochvoltkomponenten oder Hochvoltleitungen beschädigt (z.B. offene Bauteile, abgerissene Leitungen), ist ein Berühren dieser Schadstellen zu Bei unvermeidbaren Arbeiten in diesen Bereichen sollen beschädigte Teile elektrisch isolierend abgedeckt werden.
  • Im Zweifelsfall ist das Hochvolt-System des Fahrzeugs sofern möglich manuell zu deaktivieren (siehe Beschreibung in der fahrzeugspezifischen Rettungskarte).

Kann man bei einem verunfallten Elektro-/Hybrid-Fahrzeug erkennen, ob das Hochvolt-System deaktiviert ist?

  • Eine direkte Anzeige der Spannungsfreiheit nach einem Unfall ist aufgrund der verschiedenartigsten Schadenszenarien nicht möglich.
  • Im Zweifelsfall ist das Hochvolt-System des Fahrzeugs, sofern möglich, manuell zu deaktivieren (siehe Beschreibung im fahrzeugspezifischen Rettungskarte).

Hinweis: Der Energieinhalt (Ladezustand) eines Hochvolt-Energiespeichers bzw. einzelner Zellen im Innern des Energiespeichers bleibt nach Deaktivierung des Hochvolt-Systems unverändert, jedoch ist dann der Hochvolt-Energiespeicher vom restlichen Hochvolt-System bzw. Bordnetz elektrisch getrennt.

Kann von einem geparkten Fahrzeug, das in einen Unfall verwickelt wurde (Stand-Crash) eine elektrische Gefährdung ausgehen?

  • Ja, U. kann das Fahrzeug-Hochvolt-System auch im Stand aktiv sein (z.B. Standklimatisierung).
  • Eine Airbagauslösung wird bei geparkten Elektrofahrzeugen, die in einen

„Standcrash“ verwickelt wurden, in aller Regel nicht erfolgen, so dass dadurch auch keine automatische Abschaltung des Hochvolt-Systems herbeigeführt werden kann.

  • Bei schweren Unfällen ist daher das Hochvolt-System des Fahrzeugs manuell zu deaktivieren.
  • Dieses gilt sowohl für Fahrzeuge an einer elektrischen Ladestation als auch für geparkte Fahrzeuge, die nicht an einer Ladestation angeschlossen
  • Unabhängig vom Fahrzeug könnte eine Gefährdung von der Stromversorgung der Ladestation ausgehen, soweit diese bei dem Unfall beschädigt wurde.

Ist eine manuelle Deaktivierung eines Hochvolt-Systems für die Einsatzkräfte möglich?

  • Ja, Elektro-/Hybrid-Fahrzeuge verfügen über verschiedene Möglichkeiten der manuellen Deaktivierung des Hochvolt-Systems.
  • Die meisten Fahrzeuge verfügen über eine zusätzliche Abschaltvorrichtung für das Hochvolt-System, die von Rettungskräften verwendet werden Dabei handelt es sich um Trennstellen, die in der Rettungskarte beschrieben sind. Diese können zur Deaktivierung des Hochvolt-Systems betätigt werden.

Hinweis: Der Hochvolt-Energiespeicher wird hierdurch nicht entladen – jedoch vom restlichen Hochvolt-System elektrisch getrennt.

  • Die empfohlene Vorgehensweise zur manuellen Deaktivierung beschreibt das Rettungskarte des jeweiligen Herstellers.

Welche Gefahr geht von beschädigten Hochvoltleitungen nach einem Unfall aus, wenn zu erkennen ist, dass die Airbags nicht ausgelöst haben?

  • Von beschädigten Hochvolt-Leitungen oder -Komponenten kann grundsätzlich eine elektrische Gefährdung Beschädigte Hochvolt-Leitungen/-Komponenten dürfen nicht berührt werden.

Hinweis: Hochvolt-Leitungen außerhalb von Hochvolt- Energiespeichergehäusen oder vergleichbaren Einhausungen sind immer orangefarben. Hochvolt-Komponenten sind mit Warnaufklebern gekennzeichnet.

Gefährdung durch Hochvolt-Energiespeicher

Können Hochvolt-Energiespeicher nach einem Unfall entladen werden?

  • Nein, ein elektrisches Entladen der Hochvolt-Energiespeicher oder einzelner Zellen an der Unfallstelle ist nicht praktikabel und nicht zu Durch eine unsachgemäße Entladung des Hochvolt- Energiespeichers kann dieser in einen kritischen Zustand gebracht werden.

Wie ist an der Unfallstelle mit einem beschädigten und nicht brennenden Hochvolt-Energiespeicher im Fahrzeug zu verfahren?

  • Der beschädigte Hochvolt-Energiespeicher im Fahrzeug darf nicht direkt berührt
  • Der Zustand des beschädigten Hochvolt-Energiespeichers ist zu beobachten (z.B. Rauchentwicklung, Geräusche, Funken, Wärmeentwicklung).
  • Ein Löschangriff zum Kühlen des Hochvolt-Energiespeichers mit Wasser ist
  • Wird bei dem Hochvolt-Energiespeicher eine deutlich über der Außentemperatur liegende Temperatur in Verbindung mit einem stetigen Temperaturanstieg gemessen, ist das Gehäuse des Hochvolt- Energiespeichers mit Wasser zu kühlen.

Wie ist mit einem durch Unfall vom Fahrzeug getrennten bzw. gelösten Hochvolt-Energiespeicher bzw. Teilen davon zu verfahren?

  • In diesem Fall ist von elektrischen, chemischen, mechanischen und thermischen Gefährdungen durch den Hochvolt-Energiespeicher Die Schutzkleidung ist entsprechend anzupassen.
  • Der Hochvolt-Energiespeicher darf nicht direkt berührt
  • Separierte Bestandteile von Hochvolt-Energiespeichern sind nur mit elektrisch isolierender Ausrüstung vom Boden Die weitere Vorgehensweise ist situations- und lageabhängig zu entscheiden.
  • Der Zustand des Hochvolt-Energiespeichers ist zu beobachten (z.B. Rauchentwicklung, Geräusche, Funken, Wärmeentwicklung).
  • Ein Löschangriff zum Kühlen des Hochvolt-Energiespeichers mit Wasser ist

Wie ist mit einem durch Unfall vom Fahrzeug getrennten bzw. gelösten Hochvolt-Energiespeicher bzw. Teilen davon zu verfahren, wenn gleichzeitig eine Person im Fahrzeug eingeklemmt ist?

  • Es ist in jedem Fall die zulässige persönliche Schutzausrüstung zu
  • Der Hochvolt-Energiespeicher darf nicht direkt berührt
  • Sind Hochvoltkomponenten oder Hochvoltleitungen beschädigt (z.B. offene Bauteile, abgerissene Leitungen), muss ein Berühren dieser Schadstellen vermieden
  • Bei unvermeidbaren Arbeiten in diesen Bereichen sollen beschädigte Teile oder Hochvolt-Energiespeicher elektrisch isolierend abgedeckt werden
  • Der Zustand des Hochvolt-Energiespeichers ist zu beobachten (z.B. Rauchentwicklung, Geräusche, Funken, Wärmeentwicklung).
  • Ein Löschangriff zum Kühlen des Hochvolt-Energiespeichers mit Wasser ist

Was ist eine geeignete Abdeckung zum Isolieren spannungsführender Teile?

  • Es wird empfohlen eine geeignete elektrisch isolierende schmiegsame Abdeckung (z.B. gemäß IEC 61112) zu
  • Die Bereitstellungsplane der Feuerwehr ist in der Regel eine Folie aus Infolge des regelmäßigen Gebrauchs der Plane und möglicher Vorschädigungen wird die Verwendung zum Isolieren spannungsführender Teile nicht empfohlen.

Chemische Gefährdung

Was ist beim Umgang mit austretendem Elektrolyt aus Hochvolt-Energiespeichern nach einem Unfall zu beachten?

  • Elektrolyte sind in der Regel reizend, brennbar und potentiell ätzend.
  • Es sind konventionelle Bindemittel zu

Hinweis: Austretende Flüssigkeiten aus Hochvolt-Energiespeichern sind meist Kühlmittel und kein Elektrolyt. Elektrolyte sind nur in geringen Mengen (Millilitern) in den einzelnen Zellen verteilt vorhanden.

  • Hautkontakt mit dem Elektrolyt und das Einatmen von frei werdenden Gasen infolge chemischer Reaktionen des austretenden Elektrolyts sind unbedingt zu vermeiden (Hinweis: Die persönliche Schutzausrüstung ist entsprechend der Situation anzupassen).
  • Bei Kontakt mit Inhaltsstoffen der Hochvolt-Energiespeicher oder deren Gasen sind betroffene Hautflächen mit viel Wasser abzuspülen.

Verschmutzte Kleidung ist auszuziehen und zu reinigen. Im Nachgang ist ein Arzt zu konsultieren.

Welche Gefährdungen bestehen beim Ausgasen eines Hochvolt-Energiespeichers?

  • Die Gase sind reizend, brennbar, potentiell ätzend, toxisch und sollten deshalb keinesfalls eingeatmet
  • Ein Bergeprozess ist abzubrechen und die weitere Vorgehensweise mit der Feuerwehreinsatzleitung abzuklären.
  • Zusätzlich ist der Gefahrenbereich um das Fahrzeug zu
  • Soweit möglich ist ein ausgasender Hochvolt-Energiespeicher mit Wasser zu kühlen.

Hinweis: Gase sind in der Regel auch an einem stechend beißenden Geruch wahrnehmbar.

Thermische Gefährdung durch Brand

Muss in einem Brandfall mit einer Explosion eines Hochvolt- Energiespeichers gerechnet werden?

  • Eine Explosion des kompletten Hochvolt-Energiespeichers ist aufgrund entsprechender Sicherheitstechnik
  • Sowohl der Hochvolt-Energiespeicher als auch dessen einzelne Zellen verfügen über mechanische Sicherungseinrichtungen, die B. bei einem brandbedingten Temperatur- und Druckanstieg öffnen und somit zu einer gezielten „Ausgasung“ und Druckentlastung führen.

Hinweis: Ein Bersten von offen liegenden defekten Zellen mit einhergehender exothermer Reaktion ist nicht auszuschließen.

Muss in einem Brandfall mit einer Ausgasung eines Hochvolt- Energiespeichers gerechnet werden?

  • Ja, sowohl der Hochvolt-Energiespeicher als auch dessen einzelne Zellen verfügen über mechanische Sicherungseinrichtungen, die z.B. bei einem brandbedingten Temperatur- und Druckanstieg öffnen und somit zu einer gezielten „Ausgasung“ und Druckentlastung führen.

Hinweis: Der Einsatz von umluftunabhängigen Atemschutzgeräten ist bei Arbeiten in exponierter Lage erforderlich. Ein Niederschlagen der Ausdunstungen und der Gase mit Wassersprühstrahl ist angezeigt.

Ist beim Brand eines Elektro-/Hybrid-Fahrzeugs von toxischem Brandrauch auszugehen?

  • Ja, beim Brand von Elektro-/Hybrid-Fahrzeugen entsteht, wie bei konventionellen Fahrzeugen auch, aufgrund von brennenden Materialien, B. Kunststoffen, gesundheitsschädlicher Brandrauch.

Hinweis: Der Einsatz von umluftunabhängigen Atemschutzgeräten ist bei Arbeiten in exponierter Lage erforderlich. Ein Niederschlagen der Ausdunstungen und der Gase mit Wassersprühstrahl ist angezeigt.

Kann es auch zu einem späteren Zeitpunkt nach einem Unfall noch zu einem Brand der Hochvolt-Energiespeicher kommen?

  • Ja, wie auch bei verunfallten konventionellen Fahrzeugen ist das Restrisiko einer verzögerten Brandentstehung nicht auszuschließen, dies gilt insbesondere bei beschädigten Hochvolt-Energiespeichern.

Kann ein brennendes Fahrzeug mit Hochvolt-Energiespeicher gelöscht werden bzw. welches Löschmittel ist zu verwenden?

  • Grundsätzlich

Wasser ist als Löschmittel zu bevorzugen, da dieses auch kühlend auf den Hochvolt-Energiespeicher wirkt. Es ist mit viel Wasser (ca. 200 l/min) zu löschen bzw. zu kühlen.

Kann ein brennender Hochvolt-Energiespeicher im Fahrzeug gelöscht werden bzw. welches Löschmittel ist zu verwenden?

  • Grundsätzlich

Wasser ist als Löschmittel zu bevorzugen, da dieses auch kühlend auf den Hochvolt-Energiespeicher wirkt. Es ist mit viel Wasser (ca. 200 l/min) zu löschen bzw. zu kühlen.

Elektrische Lade-Infrastruktur

Was ist zu beachten, wenn ein an der Ladestation angeschlossenes Elektro-/Hybrid-Fahrzeug in einen Unfall verwickelt ist (Standcrash)?

  • Wenn möglich Ladekabel von Ladestation/Steckdose oder vom Fahrzeug Alternativ kann die Ladestation/Steckdose abgeschaltet werden.
  • Vor dem Trennen sind Kabel und Stecker visuell auf eventuelle Beschädigungen zu prüfen. Beschädigte Stellen dürfen nicht berührt
  • Bei schweren Unfällen ist das Hochvolt-System des Fahrzeugs zu deaktivieren (siehe Rettungskarte).

Hinweis: Das Fahrzeug-Hochvolt-System kann unabhängig von der Ladestation auch im Stand aktiv sein (z.B. Standklimatisierung).

Was passiert, wenn durch Vandalismus ein Ladekabel an einer Ladestation während des Ladevorgangs eines Elektro- Fahrzeugs durchgeschnitten wird?

  • Dieser Fall ist von der technischen Infrastruktur der Ladestation abgesichert und es erfolgt in der Regel eine Abschaltung der
  • Der Betreiber der Ladestation ist zu

Was ist bei einer Beschädigung des Ladekabels bzw. Steckers zu tun?

  • Das Ladekabel/Stecker darf nicht benutzt werden und ist gegen unbefugte Benutzung
  • Der Betreiber der Ladestation ist zu

Fahrzeuge im Wasser

Sind bei einem Elektro-/Hybrid-Fahrzeug, das sich im Wasser befindet, besondere Risiken zu erwarten?

  • Im Wasser besteht durch das Hochvolt-System grundsätzlich kein erhöhtes
  • Es gelten die gleichen Hinweise wie unter Kapitel 3 und 4
  • Die Vorgehensweise beim Bergen ist identisch zu konventionellen

Dies gilt auch für Karosserien aus Kohlefaserverbundwerkstoffen (Karbon).

Besteht in einem Trinkwasserschutzgebiet (z.B. Talsperre) eine Gefahr für das Wasser, wenn ein Elektro-/Hybrid- Fahrzeug dort ins Wasser gerät?

  • Gegenüber konventionellen Fahrzeugen besteht in der Regel keine zusätzliche Gefahr für das

Abschleppen, Bergen, Transportieren, Pannenhilfe und Verwahrung

 Was ist zu beachten, wenn ein Elektro-/Hybrid-Fahrzeug aus einem Gefahrenbereich (z.B. Autobahnbaustellen) per Abschleppseil/-stange entfernt werden muss?

  • Das Entfernen des Fahrzeugs aus dem unmittelbaren Gefahrenbereich

mit Schrittgeschwindigkeit ist grundsätzlich immer zulässig.

  • Weitere Angaben zum Abschleppen sind der Betriebsanleitung des Fahrzeugherstellers zu

Was ist beim Verladen eines Elektro-/Hybrid-Fahrzeuges nach einem Unfall zu beachten?

  • Achtung: Ergänzende Hinweise dazu können der Betriebsanleitung des Fahrzeugs der Rettungskarte entnommen werden.
  • Vor dem Verladen sollte das Hochvolt-System deaktiviert sein (z.B. Zündung ausschalten, vorhandene Trennstelle nutzen, 12 V Batterie abklemmen).
  • Bei der Übergabe an Behördenvertreter/Bergeunternehmer sind die Antriebsart des Fahrzeugs und die erfolgten Feuerwehrmaßnahmen (z.B. Hochvolt-Deaktivierung) Insbesondere ist auf eine mögliche Gefährdung durch beschädigte Hochvolt-Komponenten oder mit Wasser in Berührung gekommene Hochvolt-Komponenten (z.B. Stromschlag oder Brandrisiko, auch zeitlich verzögert, durch den Hochvolt-Energiespeicher) hinzuweisen.
  • Für das Verladen und den Transport sind nationale Vorschriften/Normen zu beachten (in Deutschland: DGUV Information 214-010 und DGUV Information 205-022, DGUV Information 200-005 und DGUV Information 214-081 und die ADR-Vorschriften). (Accord européen relatif au transport international des marchandises Dangereuses par Route –Europäisches Übereinkommen über die Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße)
  • Wird das Fahrzeug an Dritte (z.B. Werkstatt oder Entsorgungsunternehmen) übergeben, wird empfohlen, die eingeleiteten Maßnahmen (z.B. Trennstelle betätigt, 12 V Batterie abgeklemmt, Hochvolt-Komponenten mit Wasser in Berührung gekommen ) mitzuteilen.
  • Beim Heben mit einem Kran/Wagenheber, arbeiten mit einer Seilwinde oder Verladen ist darauf zu achten, dass keine Hochvolt-Komponenten beschädigt sind/werden.

Was ist beim Transport/Abschleppen von verunfallten Elektro-/Hybrid-Fahrzeugen zu beachten?

  • Ein Fahrzeugtransport sollte grundsätzlich mit einem Plateaufahrzeug gemäß Herstellervorgaben erfolgen.
  • Beim Abschleppen in der Hubbrille kann es zu Schäden am Elektro-/Hybridsystem kommen, wenn die Antriebsachse(n) auf der Straße verbleibt/verbleiben. Hinweis: Fahrzeuge mit Allradantrieb beachten!
  • Fahrzeuge mit beschädigtem Hochvolt-Energiespeicher sollten möglichst zur nächstgelegenen geeigneten Fachwerkstatt zu einem sicheren Verwahrort transportiert werden.

Gibt es Vorschriften, die Tunneldurchfahrten einschränken, wenn ein Abschleppfahrzeug ein beschädigtes Elektro-/Hybrid-Fahrzeug geladen hat?

  • Nein, batteriebetriebene Fahrzeuge und Hybrid-Fahrzeuge unterliegen im Abtransport nicht den Regeln des ADR (Accord européen relatif au transport international des marchandises Dangereuses par Route – Europäisches Übereinkommen über die Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße)
  • Unter Berücksichtigung vorheriger Maßnahmen und dem Beschädigungsgrad hat der Bergeunternehmer die Verkehrssicherheit des Transportes sicherzustellen. Eine mögliche Gefährdung durch beschädigte Hochvolt-Komponenten (z.B. Stromschlag oder Brandrisiko durch Energiespeicher) ist zu beachten.
  • Länderspezifische und betreiberspezifische Tunnelregelungen sind zu

Wie müssen verunfallte Elektro-/Hybrid-Fahrzeuge abgestellt und verwahrt werden?

  • Verunfallte Elektro-/Hybrid-Fahrzeuge sind, wie konventionelle Fahrzeuge auch, aus Brandschutzgründen in einem abgesperrten Bereich auf einem Abstellplatz im Freien mit ausreichenden Abständen zu anderen Fahrzeugen, Gebäuden, brennbaren Gegenständen und brennbaren Untergründen
  • Ein Abstellen eines Elektro-/Hybrid-Fahrzeug mit beschädigtem Hochvolt-System in einer geschlossenen Halle wird in keinem Fall Herstellerspezifische Hinweise (z.B. Rettungskarten) sind zu
  • Alternativ können verunfallte Elektro-/Hybrid-Fahrzeuge in dafür vorgesehenen Brandschutzsystemen abgestellt
  • Abgestellte verunfallte Elektro-/Hybrid-Fahrzeuge mit der Witterung direkt ausgesetzten Hochvolt-Komponenten sind mit einer wetterfesten Plane
  • Das Fahrzeug ist entsprechend zu Dies ist insbesondere bei Fahrzeuganlieferung außerhalb der Geschäftszeiten zu beachten

Weitere Informationen

Zur Erkennung von alternativen Antriebstechniken hat sich zusätzlich die „AUTO-Feuerwehrregel“ bewährt:

A ustretende Betriebsstoffe

U nterboden erkunden

T ankdeckel öffnen

O berfläche absuchen